nachdem das Hochwasser die Region langsam wieder verlässt, offenbart sich wieder einmal die schlechte Planungsqualität des Landkreises Anhalt-Bitterfeld. Der bereits seit längerem gehegte Verdacht, dass die kleinen Orte in der Fläche gerne zu Lasten der Stadt Bitterfeld-Wolfen "vergessen" werden, erhärtet sich in diesen Tagen erneut. Bereits zu Beginn der Hochwassersituation an Elbe, Mulde und Saale war absehbar, dass es unter Umständen dicker kommt, als 2002.
Bereits zu diesem Zeitpunkt wäre es meines Erachtens geboten gewesen, für die gefährdeten Linien Alternativkonzepte zu erarbeiten, die eventuelle Einschränkungen in der Verfügbarkeit der Infrastruktur sowie der Zugänglichkeit einzelner Gemeinden oder Haltestellen Rechnung getragen hätten. Wie man es aber von diesem Landkreis ABI bereits gewohnt ist, ist - wie sollte es anders sein - bis zum Tag x nichts passiert. Erst nachdem halb Aken unter Wasser stand, scheint man einen Eindruck von den Dimensionen bekommen zu haben. Seitdem hieß es zunächst: ÖPNV ist ersatzlos eingestellt. Als wäre das nicht ärgerlich genug, wurde auch nach Aufhebung der Evakuierung nur zögerlich begonnen, einen Ersatzverkehr einzurichten. Dieser besteht in einem 16 Sitzer der zwischen 8 und 16 Uhr zwischen Aken und Köthen im Stundentakt pendelt, dabei aber Aken kaum erschließt und in dieser Form eher ein Alibiangebot als ein ernsthaftes Verkehrsangebot darstellt. Die bestehnden Linienverkehre wurden auf Chörau bzw. Osternienburg eingekürzt. Als wäre das nicht genug, ist man aber seit Tagen nicht in der Lage Aussaqgen zu machen, wie es mit dem Linienast nach Dessau weitergeht. Durch den beispiellosen Einsatz der Rettungskräfte, die die Bundesstraße durch den Busch in einen Deich verwandelt haben, muss eine neue Linienführung her. Anscheinend ist diese Situation für den Landkreis aber derart komplex und überraschend, dass er in eine Schockstarre verfallen ist. Seit Tagen werden "Alternativen geprüft". Eine Entscheidung soll am Montag fallen - wer es glaubt, wird seelig.
Eine denkbare Alternative wäre es, den Pendelverkehr Köthen-Aken in Osternienburg so mit den bestehenden Linien zu verknüpfen, dass durch eine Weiterführung der Linie 471 von Chörau nach Dessau Junkerspark endlich wieder direkte Reisemöglichkeiten vorhanden sind. Von Aken aus kommt man ja nur noch über die B187a raus, man könnte auch diese Pendellinie mit dem gebrochenen Ast Köthen-Osternienburg (alle Fahrten, die sonst über Trebbichau weiter nach Aken verkehren) so kombinieren, dass man von Aken direkt nach Dessau über die B 185 fährt.
Was auch immer man auswürfelt, es ist zum Kotzen, dass man dafür wieder ewig und drei Tage braucht. Für jeden Mist muss man erstmal einen Arbeitkreis gründen, der wiederum ewig braucht, bis etwas spruchreifes feststeht. Experten im Sinne von Leuten, die wissen wie es geht und entsprechend handeln, scheint es beim Landkreis nicht zu geben - immerhin ist es damit gelungen auch dem letzten Deppen klarzumachen, dass sich nur Idioten auf den ÖPNV verlassen ...
Zitat von TomHmm ich bin vor Jahren immer über Elsnigk nach Aken gefahren, existiert die Straße da nicht mehr ?
Hallo Tom,
doch doch die Straße existiert noch, die könnte man auch nutzen. Mich nervt nur wieder diese Unfähigkeit gepaart mit der gewissen Priese Beamtentum. Ich kann nicht nachvollziehen, dass es jetzt in der dritten Woche keinen funktionierenden ÖPNV zwischen Aken, Köthen und Dessau gibt. Mir kommt es so vor, als hätte man wieder mal Angst vor der eigenen Initiative und der Kreisgrenze. Genau so lustig ist die Aufforderung des Landkreises, dass der Schulbetrieb nächste Woche wieder normal startet - wie die Fahrschüler von und nach Aken in die entsprechenden Schulen kommen sollen, weiß bis heute aber noch niemand. Das sind die Momente, wo man unweigerlich an "rechte Hand, linke Hand" denken muss ...
Dabei wäre es doch so einfach, die eine Linie 471 von Aken oder Köthen kommend über Oburg nach Dessau durchzubinden - von mir aus auch nur bis zum Junkerspark und über Mosigkau oder gleich direkt auf der B 185. Aber das man wochenlang demonstrativ gar nichts macht - auch nichts geplant hat, obwohl lange genug Vorlaufzeit gewesen ist - ist einfach nur zum Kopfschütteln. Eine bessere Anti-ÖPNV-Werbung gibt es nicht.
Hier zeigt sich mal wieder ein Fall von kompetenzlosem Aufgabenträger, der jegliche Planung und Verantwortung auf das/die Verkehrsunternehmen verschoben hat. Häufig sind das solche Aufgabenträger, die über nahezu Null Personalressourcen verfügen. Deshalb sind diese Aufgabenträger nicht nur im Katastrophenfall völlig überfordert, sondern sie wissen häufig nicht, wie ÖPNV heutzutage funktioniert - leider.