Seit ca. 2 Jahren erfolgt in der Großwohnsiedlung Zoberberg der Flächenabriß. Bisher geschah dies meist in den Hinterhöfen und war daher nicht so offensichtlich. Seit Ende 2015 kommt der Abriß der Straßenbahnführung immer näher. DDR-Plattenbauten von mindestens 10 Hauseingängen wurden in diesem Jahr schon zu Grünanlagen. Derzeit erfolgt der Abriß im Umfang von mindestens 20 weiteren Hauseingängen oder steht unmittelbar bevor. Die verbleibenden Blöcke befinden sich optisch zu über 50% in einem unsanierten, damit unzeitgemäßen und damit schlecht vermietbaren Zustand. Die Großvermieter konzentrieren sich der Presse in den nächsten Jahre auf die Ertüchtigung der Bauten in Innenstadtnähe, deren Sanierung auch seit Jahren überfällig ist. Daher ist damit zu rechnen, daß im Wohngebiet Zoberberg allen unsanierten Blöcken in den nächsten 1 bis 2 Jahren der Abriß bevorsteht. Die Vermietung ist bereits jetzt sehr lückenhaft. Mit diesen Rahmenbedingungen stellt sich aus meiner Sicht die Tragfähigkeitsfrage für die Straßenbahnlinie 3 westlich des Klinikums, wenn nicht schon ab der Großwohnsiedlung Schaftrift.
Wichtige Ankerpunkte der Linie 3 sind: - Berufsschulzentrum - Städtisches Klinikum - Gewerbepark Junkerspark (Anschluss Bus 16!)
Als man wenige Jahre nach der Inbetriebnahme der Linie die südlichen Blöcke von Dessau West abreißen ließ, wollte doch auch keiner die Linie gleich wieder einstellen, oder?
Die Auslastung der Linie 3 ist ab Schaftrift nicht rosig. Das Einkaufszentrum Junkerspark zieht vorallem Kunden aus den östlichen Vororten und dem Köthener Land an. Auch aus Alten und Zoberberg kommen die regelmäßigen Kunden (Nahversorgung). Die Straßenbahn hat für diesen Kundenkreis kaum Bedeutung (kein Straßenbahnanschluß oder wegen der geringen Entfernung unbedeutend). Für das Wohngebiet Zoberberg gibt es keine Stadtentwicklungsperspektive der Verwaltung. Die Bevölkerungszahl der Stadt schrumpft weiter (wenn auch deutlich geringer als prognostiziert). Die Bevölkerung nimmt insbesondere dort ab (Wegzug), wo es keine attraktiven Wohnungen und kein attraktives Umfeld gibt. Es müßte schlagartig in den Wohnungsbestand investiert werden, um den Standort zu stabilisieren. Damit ist nicht zu rechnen. Das Fahrgastaufkommen wird entsprechend weiter sinken. Daher rechne ich mit einer Einkürzung im Bereich Klinikum oder schon an der Schaftrift. Den Verkehr kann der Bus, Linie 16, übernehmen. Das ist kostengünstiger, sobald Investitionen an der Straßenbahninfrastruktur anstehen sollten. (Jede Plattenbauwohnung weniger reduziert die Einnahmen der Stadtwerke für Fernwärme, Wasser usw., die Grundkosten der Netzinfrastruktur bleiben aber. Die ÖPNV-Quersubventionierung wird in dieser Folge dann auch schwieriger)
Es liegt ja nicht an der Straßenbahn, sondern an den Randbedingungen. Wenn es keine ausreichende Nachfrage für ein Verkehrsmittel gibt, dann ist der Weiterbetrieb zu prüfen oder aber die Nachfrage gezielt zu stärken. Da Infrastruktur langlebig ist, muß Infrastruktur strategisch geplant werden. Das wird zum Glück auch durch die Fördermittelbindung unterstützt. Wenn die Stadtpolitik keine Strategie hat, schafft die Realität Fakten. Ist leider so.